< Zurück zum Blog

Die Mittelstandsanleihe - was Anleger wissen müssen

Mittelstandsanleihen – Woher kommt der Trend?

In Deutschland gibt es rund 3,7 Millionen mittelständische Unternehmen. Unter Mittelstand versteht man kleinere und mittlere Unternehmen, eigentümergeführte, meist Familienunternehmen. Jährlich erwirtschaften diese mehr als 5.000 Milliarden Euro und betätigen Investitionen in Höhe von mehreren 100 Milliarden Euro.

Problem ist: Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts wurde im Zuge der Finanzkrise die Bankfinanzierung für den deutschen Mittelstand immer schwieriger, sodass dort nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden musste.

Besonders geeignet für die mittelständischen Unternehmen schienen hierfür Unternehmensanleihen. Das Konzept klingt zunächst auch vielversprechend für potentielle Anleger: Bei einer Unternehmensanleihe wird dem Investor die geleistete Einlage zu einem festgelegten Zeitpunkt zurückgezahlt und für die Laufzeit festgelegte Zinsen jährlich ausgezahlt. So zumindest die Grundidee der Anlageform.

Verlockend ist, dass die angebotenen Zinsen häufig sehr hoch sind, sodass sich auch viele Privatanleger in Zeiten, in denen die Zinsen auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten eher mau ausfallen, für eine derartige Mittelstandsanleihe entschieden haben. Mittlerweile wurden ca. 6 Milliarden € an Mittelstandsanleihen emittiert.

Besonders häufig finden sich in diesem Segment Unternehmen, die im Bereich der nachhaltigen Energiegewinnung tätig sind, empfinden doch viele Anleger derartige Geschäftszwecke als zukunftsorientiert und gewinnversprechend. Insgesamt ist das Spektrum an Mittelstandsanleihen allerdings sehr weit gestreut, so dass beinahe jeder Anleger ein für ihn greifbares Unternehmensfeld als Investitionsziel finden kann.

Rechtliche Eckpfeiler der Mittelstandsanleihe
Mittelstandsanleihen lassen sich häufig als Wertpapiere klassifizieren, welche seitens eines Unternehmens mit festem Zinssatz herausgegeben werden.

Unter Wertpapier versteht man ein Vermögensrecht, welches in der Regel in einer Urkunde verbrieft wird. Allerdings sieht das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) in § 2 (1) eine Definition vor, wonach Wertpapiere im Sinne des WpHG, auch ohne Ausstellung einer Urkunde über sie, alle Gattungen von übertragbaren Wertpapieren mit der Ausnahme von Zahlungsinstrumenten, die ihrer Art nach auf den Finanzmärkten handelbar sind. Hierzu zählen insbesondere Aktien, Anteile an in- oder ausländischen juristischen Personen, Personengesellschaften und sonstigen Unternehmen, soweit sie Aktien vergleichbar sind, sowie Zertifikate, die Aktien vertreten und Schuldtitel.

Wesentlich für das Rechtsverhältnis zwischen Emittent und Anleiheinhaber sind die Anleihebedingungen im Wertpapierprospekt.

Risiken bei Mittelstandsanleihen
Wie bei jeder Investition in ein Unternehmen steht und fällt die Investition mit dem wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens. Droht einem Unternehmen die Insolvenz, so kann dies auch für den Inhaber von Mittelstandsanleihen vom Verzicht auf Zinsen bis hin zum Totalverlust bedeuten.

So machten in der jüngsten Vergangenheit insbesondere die Insolvenzen über das Vermögen des landwirtschaftlichen Konzerns KTG Agrar, des Unternehmens für Brennstoffe German Pellets und des Modeunternehmens Steilmann SE Schlagezeilen und sorgten für große Besorgnis unter den Anleihegläubigern.

Neben den grundsätzlichen Investitionsrisiken, sollten aber auch unternehmensspezifische Risiken im Anleiheprospekt deutlich gemacht werden und müssen dem Anleger vor der Investition mitgeteilt werden. Der Anleger muss wissen, für was für eine Investition mit allen Vor- und Nachteilen er sich entscheidet.

Gerade dar Mittelstandsanleihen als alternative Finanzierung zu Bankkrediten genutzt wurden und immer noch hierzu dienen, haben sich auch viele Unternehmen dieses Liquiditätsbeschaffungsmittels bedient, welche seitens von Banken aufgrund von Risikoanalysen womöglich gar nicht mehr als kreditwürdig eingestuft worden wären.

Was tun, wenn die Anleihe scheitert?
In vielen Fällen erkundigen sich die privaten Anleger nicht eigenständig nach einem passenden Investment, sondern erhalten von ihrem persönlichen Anlageberater eine Empfehlung. Dieser Empfehlung muss eine umfassende und korrekte Beratung vorausgehen, welche die persönlichen Ziele und das Investitionsverhalten des Anlegers berücksichtigt sowie die speziellen Eigenheiten und Risiken der empfohlenen Anleihe benennt. Erfolgte die Anlageberatung fehlerhaft, können dem Anleiheinhaber Schadenersatzansprüche gegen seine beratende Bank, das Beratungsunternehmen oder den selbstständigen Finanzberater zustehen.

Noch bevor ein Schaden eintritt, aber bereits erkennbar wird, dass die Unternehmensanleihe womöglich nicht das hält, was einem versprochen wurde, sollte das Recht zur vorzeitigen Kündigung geprüft werden.
Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass die Anleiheprospekte Fehler aufweisen, welche ebenfalls zu Ansprüchen auf Schadenersatz führen können. Wichtig ist daher stets, sich nicht nur das Prospekt vor Zeichnung aushändigen zu lassen, sondern dieses auch zur Kenntnis zu nehmen.

Sollten die Anleger den Totalverlust befürchten oder ihre Gelder nicht zurückerhalten, wird ihnen dringend geraten, ihre eventuell bestehenden Ansprüche überprüfen zu lassen.
Für eine kostenlose Erstberatung stehen die Experten der Kanzlei AdvoAdvice Rechtsanwälte mbB unter 030-921 000 40 gerne zur Verfügung.

   Mittelstandsanleihe Was tun Wertpapiere Finanzkrise Risiken der Anleihe Totalverlust Verlustrisiko Advoadvice Berlin
- 09. September 2016 :: Dr. Sven Tintemann

Das könnte Sie auch interessieren

Wie geht's weiter?

Nehmen Sie kompetente Rechtsberatung in Anspruch, der Sie vertrauen können!

Rückruftermin vereinbaren